Webstandardsmagazin - eines für alle(s)?
geschrieben von Pawel
Ich gebe zu, die Idee klingt verlockend.Das Webstandards Magazin möchte eine Zeitschrift sein, die die Belange von Design, Programmierung, Usability und vieles mehr für die Webworker abdeckt. Webworker sind typischerweise Allrounder und weniger auf die Teilbereiche spezialisisert. Wenn sie, wie wir auch noch das gedruckte Wort schätzen, lesen sie deshalb Design- und Programmiererzeitschriften.
In meinem Fall sind das, das PHP-Magazin, die Page und (natürlich) die c’t. Alle Zeitschriften decken (in ihrem Bereich) ein riesiges Spektrum ab. Das t in c’t hat durchaus seine Berechtigung und mein Verständnis der komplexen Zusammenhänge endet spätestens bei Platinen und Lötkolben.
Durch Twitter bin ich auf das Webstandards Magazin aufmerksam geworden. Eher weniger, weil mir plötzlich das @webstandmag folgte, sondern mehr durch die Tweets von @yatil u.a. . Da selbst Carsten schon mal einen Artikel unter der Überschrift “Webstandards für die Straßenbahn” begonnen hatte, mußte da also irgend etwas “dran” sein. Meine Frau kam, bedingt durch eine Fernreise vor einer Woche ohnehin am Bahnhof vorbei. Ich bat sie, mir das aktuelle Heft mitzubringen.
Sie rief mich vor dem Kauf sicherheitshalber noch einmal an und fragte, ob es wirklich dieses farblich eher unscheinbare Heft sein solle. Der Verkäufer freute sich auch über den Verkauf des ersten Heftes am hallischen Hauptbahnhof. Das “schreit” nach einer differenzierten Begutachtung, die dann natürlich nicht in einen Tweet passt.
Gesamteindruck
Ein durchaus ambitioniertes Projekt der kleinen Agentur anatom5, die 2004 durch eine Biene für ihre Internetseite “Barrierekompass” bekannt geworden ist. Der Schwerpunkt des Heftes ist E-Buisness und eine ausgewogene Berichtserstattung ist gelungen. Der Schwerpunkt Accessibility und Usability ist für meinen Geschmack etwas zu großund erklärt sich sicher durch den Hintergrund der Macher. Eine frische Idee ist der enge Zusammenhang mit dem Web durch das Twittermarketing im Web und dem Twitterticker im Heft.
Inhalt
Die Auswahl der Autoren Gerrit van Aaken, Jens Grochtdreis, Dirk Ginader u.v.a.. zeugen für eine gute Qualität. Die Inhalte der Artikel sind in ihren Blogs zwar auch schon besprochen worden, die Autoren haben jedoch die Chance genutzt auf Papier etwas ausführlicher beschreiben zu können. Somit haben auch Leser etwas davon, die die Feeds abonniert haben. Am Lesenswertesten sind jedoch die Artikel der Redakteure. Ansgar Hein gelingt ein guter Überblick über das E-Payment und auch Jörg Morsbachs Artikel über gutes Shop-Design gefällt. Meine Highlights waren darüber hinau, der Artikel zum Freistellen (mehr davon), RDFa und Semantic Surfing.
Gestaltung
Hier sehe ich noch Ressourcen. Zwar gefällt der gewählte Font, der großzügige Weissraum und der intelligente Hinweis auf zusätzliche Links durch Fußnoten. Warum aber der Lieblingsmonitor der Redaktion für viele Screenshots herhalten muss, erschließt sich mir nicht. Das der Presto Demo-Shop modern aussieht, kann man dadurch gar nicht richtig wahrnehmen.Die Darstellung von CSS-Quelltext im silver XP-Style gefällt mir nicht und “schreit” neben den Autorenkästchen (z.B. auf Seite 41). Eine geordnete Liste, wie auf Seite 32 ließe sich ebenso aufhübschen, wie die Word-Schraffur-Optik bei Übersichtstabellen und Hinweisen. Auf den ersten Blick ist auch das Zitat auf Seite 64 nicht als solches zu erkennen. An einigen Stellen bin ich mir unsicher, ob der Designprozess in einer Hand lag.Ich freue mich ja durchaus Dirk Ginaders Twitterbild zu sehen, in einem gedruckten Werk erwarte ich da aber etwas mehr, vielleicht auch umfangreicheren Hintergrund zu den Autoren.
Proof
Das Magazin ist noch jung. Perspektivisch sollten kleinere Fehler, wie auf Seite 47 (das ] hinter den Links) oder auf Seite 63 (das überflüssige “Als Webadresse bitte”) aber ausbleiben.
Fazit:
Der Newcomer wird durchaus gebraucht. Ich wünsche dem Magazin viele Abonennten. Die oben genannten Zeitschriften kann es für mich im Moment noch nicht ersetzen. Es bringt aber einige frische Ideen mit, die noch ausbaufähig sind. Mögliche Themen wären für mich:
- Webgrafik mit SVG
- Multimedia
- Mashups
Ich bin gespannt und grundsätzlich kaufbereit.
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